Caravan Salon Düsseldorf

Findet die Caravan Salon auch in 2020 statt? Wie stark verändert Corona das Messe-Business? Wie viele Messen benötigt ein Markt?

Heute, am 7. Juni 2020 ist immer noch nicht sicher, ob die Caravan Salon 2020 in Düsseldorf stattfinden wird. Während die Einen der Meinung sind, dass es in diesem Jahr unverantwortlich ist eine Publikumsmesse durchzuführen, gibt es die Anderen, die – mit entsprechenden Hygienekonzepten – die Messe durchführen wollen und an dieser Veranstaltung festhalten. Aber es ist mit ziemlicher Sicherheit nicht nur das Thema „Corona“, was den ein oder anderen Aussteller zu einer Messeabsage veranlasst.

Gehört haben wir in den vergangenen Wochen schon einiges zu dem Thema, Gedanken, Gerüchte, Meinungen hinter vorgehaltener Hand und vieles mehr. Insofern hat uns der Artikel vom 14. Mai 2020 zur „Hymer-Absage“ gefreut, den Isa auf IsasWomo hierzu publizierte. Wenn derzeit Veranstaltungen abgesagt werden, wird dieses zur Zeit nahezu immer mit dem Corona-Thema begründet und es wird gesagt, dass es bei all diesen Entscheidungen immer um Gesundheitsschutz geht. Über etwaige Partikular-Interessen dahinter, schreibt kaum ein Journalist oder Blogger.

Die Messe Düsseldorf muss liefern!

Die „Messe Düsseldorf“ sollte die Messe auf jeden Fall auch in 2020 durchführen, wenn Sie auch die „größte Camping-Messe der Welt“ in Zukunft beheimaten möchte. Egal mit welchem Konzept. Nötigenfalls mit einer reduzierten Besucheranzahl, Fachbesucher und zusätzlich verloste Tickets, als OpenAir-Veranstaltung, als Hybrid-Veranstaltung oder auch als rein „digitale Messe“. Dabei ist es völlig unerheblich, ob eine bestimmte Ausstellergruppe fehlt oder auch nicht. Wenn die Messe ihr Zielpublikum erreicht, ist es nicht einmal schlimm, wenn auch mal weniger Besucher zur Messe kommen. Entscheidend ist immer, dass der Messeveranstalter ein wettbewerbsfähiges Konzept den Ausstellern anbietet.

Seit rund 30 Jahren konnte ich das Messegeschehen in der EDV-Welt und den Aufstieg der IT-Messe CeBIT in Hannover zur größten IT-Messe der Welt (Rekordjahr 2001 mit 830.000 Besuchern) von den frühen Anfängen bis zu ihrer letzten Messe im Jahr 2018 (120.000 Besucher) und der Mitteilung zur Einstellung im November 2018 – auch als Aussteller – verfolgen.

Was war passiert? Warum kamen immer weniger Besucher obwohl die Welt in den letzten Jahren immer digitaler wurde? Es gibt sicherlich mehr als einen Grund hierfür. Aber es etablierten sich immer mehr kleinere Fachmessen in den einzelnen Themenbereichen. Konferenzen und Kongresse mit begleitenden Fachausstellungen usw. Als potentieller Aussteller einer Messe prüft man jedes Messe-Event. Für die wenigsten Aussteller ist „Messe“ eine „olympische Disziplin“. Es zählt einfach „Cost per Lead“. Und das rechnet sich ggflls. auch bei kleinen Messen und Veranstaltungen.

Für die Aussteller zählt immer „Cost per Lead“

Das Problem für die Aussteller ist, dass Messeveranstalter, die eine führende Veranstaltung jedes Jahr durchführen, ihre Konditionen und Gebühren jedes Jahr hochschrauben. Das sind nicht nur die Quadratmeterpreise, die den Messestand betreffen. Da wird jedes Stichwort unter dem der Messebesucher einen Messestand finden kann in Papierkatalogen einzeln verkauft. Es werden immer neue und sinnlose Stichwörter „erfunden“, bei den die Marketingabteilungen dann der Meinung sind, dass man auch unter diesem Stichwort unbedingt gefunden werden sollte. Vortragsslots in den Speakers-Corners werden vermarktet. Von der einzelnen Anzeige im Papierkatalog, über den Link und das Banner auf der Messe-Website, der Einblendung des Firmennamens im Messe-Newsletter, dem Sponsoring von Awards und Einzelveranstaltungen auf dem Messegelände bis hin zu kleinen Plakaten oberhalb der Urinale auf den Herren-Toiletten wird jeder Zentimeter Werbefläche vermarktet. Damit gilt für viele Messeveranstalter: „Der Krug geht so lange zum Brunnen, bis er bricht.“ Und da sind dann auch Messeaussteller nicht unbegrenzt leidensfähig. Wenn dann noch die Vorgabe an das Marketing gerichtet wird, dass Einsparungen her müssen, dann werden „Cost per Lead“ einfach noch einmal hart durchgerechnet.

Für eine Erwin Hymer Group ist ein potentieller Messeerfolg sicherlich einfach und schnell ausgerechnet. Letztendlich existiert ein sehr gutes Händlernetz, so dass die Erwin Hymer Group davon ausgehen kann, dass durchaus ein Teil der Fahrzeuge, die bei einer Nichtteilnahme an der Messe nicht verkauft werden, von den Händlern trotzdem vermarktet werden. Wenn sich also Thor Industries mit der Erwin Hymer Group für den größten globalen Hersteller von Freizeitfahrzeugen hält und an der „weltgrößten Caravanmesse“ nicht teilnimmt, kann das auch bedeuten, dass man seitens der Düsseldorfer Messegesellschaft sich der eigenen Position zu sicher war oder man seitens der EHG in Zukunft andere Marketing- und Vertriebskanäle nutzen möchte.

Hätte man vor zwei Jahren noch von einem Branchenprimus so etwas wie soziale Verantwortung oder die signifikante Verantwortungsübernahme für ein Branchensegment in Deutschland erwartet, so darf man dieses von einem global agierenden Unternehmen mit US-Gesellschaftsstrukturen jedoch nicht erwarten. Aber für die vielen anderen Freizeitmobilhersteller aus Deutschland und Europa ist die Absage der Erwin Hymer Group eine echte Chance, den Raum, den der Platzhirsch frei macht, zu besetzen.

Nachtrag 27.08.2020

Nur die Hälfte der Aussteller wie im Vorjahr. Aber wir haben schon einmal unsere Online-Tickets gebucht. Ob die Politik in letzter Minute noch in die Bremse tritt? Wir werden es sehen.

Nachtrag vom 13.09.2020